Brutus
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Joachim Wilhelm von Brawe: Brutus (1768)
Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen. Mit einem Vorwort von Steffen Martus Im Anhang: Hg. von Frank Fischer und Jörg Riemer Verlag Ille & Riemer Materialien zu dieser Neuausgabe: |
KLAPPENTEXT
Euch bekämpfte nur verdeckt
Mein Haß, da öffentlich stets wider ihn
Roms stolzer Genius den Sieg erstritt.
Mir ward dieß stolze Bürgerrecht, das ihr
Mir gabt, zu eurem Fall ein günstger Weg.
Unmittelbar vor der Schlacht bei Philippi erfährt Brutus, der Cäsarmörder und die letzte Hoffnung des republikanischen Roms, dass sich sein totgeglaubter Sohn im feindlichen Lager befindet. Der in Diensten der Triumvirn stehende Samniter Publius erpresst Brutus, indem er ihm das Leben seines Sohnes nur dann garantieren will, wenn sich seine Truppen kampflos ergeben.
Mit reicher Erfindungsgabe setzt Joachim Wilhelm von Brawe (1738-1758) einen vielschichtigen Vater-Sohn-Konflikt in Szene, der die tragische Konstellation bis zum Letzten ausreizt. Brutus ist Brawes zweites und letztes Werk. Kurz nach dessen Vollendung starb er mit gerade einmal 20 Jahren. Diese Neuausgabe eines der ersten deutschen Blankversdramen überhaupt beinhaltet neben einer sorgfältig edierten Textfassung außerdem Joseph von Sonnenfels’ theatergeschichtlich äußerst interessanten Bericht über die Uraufführung des Stücks im Jahr 1770 in Wien.
Das ausführliche Nachwort bietet eine aktuelle Lesart, indem es die für Brawe typische Figur des genialisch-fundamentalistischen Rächers in die Nähe von Hans Magnus Enzensbergers »radikalen Verlierern« stellt, den neuzeitlichen Fundamentalisten, die sich einer Gesellschaft scheinbar anpassen, um sie dann in einem fulminanten Racheakt unter Preisgabe des eigenen Lebens zu attackieren.
REZENSION
Der Literaturwissenschaftler Alexander Košenina hat in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« vom 29. 2. 2008, S. 34, eine Kurzbesprechung des Bandes veröffentlicht. Ein Auszug:
»Interessanter als der bewunderte Held [Brutus] ist der Rächer, der im Nachwort mit Enzensbergers Formel der ›Schreckens Männer‹ (2006) als ›radikaler Verlierer‹ porträtiert wird. Als terroristischer ›Schläfer‹ hat er sich über Jahrzehnte in die römische Gesellschaft eingeschlichen, um sie dann maximal zu schädigen. Gegen Lessings Mitleidspoetik gewinnt so eine Ästhetik der Rache an Profil.«
Eine Zusammenfassung dieser Besprechung gibt es in der Presseschau der »Berliner Literaturkritik«.