Der Freygeist
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Joachim Wilhelm von Brawe: Der Freygeist (1758)
Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen. Hg. von Frank Fischer und Jörg Riemer. Materialien zu dieser Neuausgabe: |
KLAPPENTEXT
»Brawes Trauerspiel, das die neuere Forschung fast vollständig ignoriert, besitzt durchaus wegweisende Bedeutung.« (Peter-André Alt)
»Und hierbey sende ich Ihnen auch ein Trauerspiel, dessen Verfasser sich um Ihren Preis bewerben will. Er ist ein junger Herr von Brawe, den ich wegen vieler guten Eigenschaften ungemein hoch schätze …« – Mit diesen Worten leitete Gotthold Ephraim Lessing Brawes »Freygeist« an Friedrich Nicolai weiter. Das Stück errang dann auch in dem von Mendelssohn und Nicolai initiierten Dramenwettbewerb den zweiten Preis und wurde daraufhin 1758 zum ersten Mal gedruckt.
Joachim Wilhelm von Brawe (1738-1758) schuf mit seinen Trauerspiel »Der Freygeist« ein wegweisendes Werk, das weit über den zeitgenössischen literarischen Horizont hinaus wirkte. Über Jahrzehnte gehörte das Stück zu den wichtigsten Bühnenstücken in Deutschland.
Mit dieser Ausgabe, deren Text dem Erstdruck folgt, wird dieses wichtige Zeugnis der deutschen Literaturgeschichte erstmalig wieder zugänglich gemacht. Die Edition orientiert sich an aktuellen editionsphilologischen Entwicklungen und genügt sämtlichen wissenschaftlichen Erfordernissen. Im Anhang findet sich neben der Rezension von Friedrich Nicolai eine Bibliografie und ein ausführliches Nachwort.
REZENSION
erschienen in: Editionen in der Kritik 1 (2005)
Joachim Wilhelm von Brawe: Der Freygeist. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen. Hrsg. von Frank Fischer und Jörg Riemer. Leipzig–Weißenfels: Ille & Riemer 2002. 93 S.
Der junge Verlag Ille & Riemer, Leipzig und Weißenfels, stellt sich mit dieser gelungenen Edition eines von der Literarhistorie fast vergessenen Textes vor. Das verdient Bekanntmachung und Anerkennung. Das Programm des Verlages dürfte zukunftsträchtig sein: man beginnt mit Reihen und Einzelausgaben, u. a. einer »Sammlung Ille & Riemer«, die »klassische Werke der Weltliteratur, die oftmals seit Jahrzehnten vergriffen sind«, neu auflegen und »damit vor dem Vergessen« bewahren will. Die andere Reihe ist eine »Bibliothek Mitteldeutschland«, die »Beiträge zur Geschichte und Kultur Sachsens, Thüringens und Sachsen-Anhalts« bringen wird – ein unerschöpfliches Gebiet, dessen editorische Kultivierung viele ›alte‹ Texte wieder zugänglich machen könnte. Man kann dem jungen Team nur ›Glück auf den Weg‹ wünschen.
Und das um so mehr, als die Edition des »Freygeist« editorisch vollauf gelungen ist. Der sauber gedruckte und gut lesbare Neusatz(!) bietet im Anhang Friedrich Nicolais Rezension des Textes – und damit einen angemessenen Einstieg in die Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts, ferner Hinweise zur Textgestalt, eine Bibliographie (Auswahl) und ein Nachwort, als Fußnoten ein paar Erläuterungen sprachlicher und sachlicher Art, dem Leser diskret souffliert.
Eine Besonderheit sind die mit der vorliegenden Edition verbundenen »Brawe Ressourcen«; es handelt sich dabei um Textquellen, die die Herausgeber ins Internet gestellt haben: unter www.brawe.uni-leipzig.de. Hier findet man eine modernisierte Fassung des »Freigeists«, eine Brawe-Bibliographie, zeitgenössische Texte und Briefe zu Brawe, August Sauers heute schwer zugängliche Monographie »Joachim Wilhelm von Brawe, der Schüler Lessings« (1878) und Forschungsliteratur. Und natürlich auch eine Fassung des anderen Dramas von Brawe, des »Brutus«. Im Probefall war der Text des »Brutus« technisch nicht ganz leicht zugänglich und etwas schwer zu rezipieren. Hier wäre das Fach den beiden jungen Herausgebern sicherlich sehr verbunden gewesen, wenn sie den »Brutus« in ihre Edition mit aufgenommen hätten. Es wäre überhaupt sinnvoll, wenn man bei diesen literarischen Youngstern wie Brawe – er lebte nur von 1738-1758 – wenn man sich schon mit ihnen beschäftigt, was in diesem Fall vollauf gerechtfertigt ist, versuchte, alles sie betreffende Schriftliche vorzulegen. Für den Weißenfelsich-Leipziger Kreis hätte er bei längerer Lebenszeit ›etwas‹ hergeben können. Denn seine Handhabung der Bühnensprache ist für Mitte der 1750er Jahre äußerst bemerkenswert.
Berlin
Hans-Gert Roloff