Kurt Tucholsky als Briefschreiber
Kurt Tucholsky-GesellschaftReinhold Lütgemeier-Davin
Schriftenreihe der Kurt Tucholsky-Gesellschaft
Band 15. Beiträge einer Tagung der Kurt Tucholsky-Gesellschaft 2025.
Verlag Ille & Riemer 2026
Leipzig
ISBN: 978-3-95420-075-7 (Softcover)
Größe:14,8 x 21 cm, 128 Seiten
15,00 €
Verfügbar ab 12.03.2026
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Kurt Tucholsky war nicht nur ein famoser sturmerprobter politischer Publizist, Journalist und Schriftsteller, ein erfahrener Rhetoriker, ein wortgewaltiger linker Aktivist, zuweilen ein Romancier mit romantischen, frivol-erotischen Anwandlungen, sondern eben auch ein passionierter Briefeschreiber, einer, der aber nicht ausnahmslos darauf bestand, dass persönliche, gar an einen Freund oder eine Geliebte gerichtete Briefe handschriftlich abzufassen seien. Für ihn war es durchaus erlaubt, sich einer Schreibmaschine zu bedienen, „um sein Herz auszuschütten“, denn sie konnte ihm „so vertraut werden wie ein Federhalter“.
Der hier vorliegende Tagungsband untersucht anhand ausgewählter Beispiele Facetten seiner Korrespondenz: Tucholsky als Verfasser von warmherzigen Liebesbriefen und als polternder wie verständnisvoller, in jedem Fall argumentationsstarker Korrespondenzpartner mit weltanschaulichen Kontrahenten.
Eine umfängliche Reflexion über das Briefeschreiben hat Tucholsky zwar nicht geliefert, aber Briefe gehören zu wichtigen Zeugnissen des Lebens und der literarischen Produktion Tucholskys. Sie nehmen einen beachtlichen Teil seines Werkes ein. In der Zeit seiner Emigration nach 1933 konzentrierte er sich erzwungenermaßen nahezu vollständig auf das Schreiben von Briefen, in einer Zeit, in der ihm jede Möglichkeit genommen wurde, in Deutschland zu publizieren, sich durch eigene Veröffentlichungen seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Es bliebe unvollkommen, geradezu ausgeschlossen, Tucholskys Biographie, seine Ideen, seine Gefühle, seine Bewertungen von Zeitereignissen und Persönlichkeiten ohne den Rückgriff auf seine Briefe zu erschließen und zu verstehen.
In manchen seiner Briefe erweist sich Tucholsky wie in seiner Prosa als ein Schalk, als ironisierender Satiriker, als ein ausgeklügelt und gewitzt formulierender Publizist, als Mann, der sich mitunter selbst zu verballhornen verstand, der räsonieren, schimpfen, toben, verurteilen und mit einem Brustton der Überzeugung loben konnte.
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